IIPE 2017 (Deutsch)

Ästhetische Frieden: soziales, politisches & gestaltendes Lernen – Antworten für das Überleben von Mensch und Planet

Grillhof Seminarzentrum * Innsbruck, Österreich
27.August – 2. September 2017

More Information: link 32 Apply link 32 Information for Participants IIPE FLYER DEUTSCH

Von 27. August bis 2. September 2017 wird in Innsbruck (im Bildungsinstitut Grillhof) die Konferenz des Internationalen Instituts für Friedenspädagogik (HEP) stattfinden. Die diesjährige Konferenz wird in Zusammenarbeit mit dem IIPE-Sekretariat, Mitgliedern der Faculty of Education and Queens ‘College an der University of Cambridge, und der Unit for Peace and Conflict Studies an der Universität Innsbruck organisiert.

Weltweit befindet sich die Menschheit derzeit in einer beispiellosen, existentiellen und ethischen Krisensituation. Im Angesichte der Herausforderungen zwischen menschlichen Bedürfnissen, einer Kluft untereinander und einem durchaus möglichen Kollaps der Umwelt, braucht es neue Wege, um ein Überleben zu ermöglichen. Um nur einige der aktuellen Krisen zu nennen: Klimawandel, Umweltzerstörung, Rückgang der Biodiversität, Vermehrung nuklearer und anderer Massenvernichtungswaffen, Cyberkriege mit ungeahnten Folgen, weltweite Zunahme faschistischer Tendenzen, die die Demokratie gefährden, Menschenrechtsverletzungen, Bürgerkriege und menschliche Katastrophen, Unterdrückung anderer Geschlechter, extreme Armut und zahlreiche weitere Bedrohungen. Das Thema der IIPE 2017, „Ästhetische Frieden: soziales, politisches & gestaltendes Lernen – Antworten für das Überleben von Mensch und Planet“ fordert uns zum Nachzudenken auf. Folgende Fragen drängen sich auf:

Welchen Beitrag kann Friedenserziehung leisten, um die sich anbahnenden, globalen und existenzbedrohenden Krisen zu transformieren?

Was müssen wir lernen und wie könnten wir lernen, um unseren Planeten zu retten?

Wie können wir die universelle Menschenwürde als Basis verwenden, um eine tragfähige und gerechte, globale Gemeinschaft auf einem gesunden Planeten schaffen?

Mit diesen Fragen hat es sich die IIPE 2017 zur Aufgabe gemacht, Friedenserziehung als multidimensionalen und transformativen Prozess zu verstehen. Besonderes Augenmerk während der Konferenz soll auf wirksames und gestaltendes Lernen, auf Kunst, meditative Übungen, moralische, ethische und politische Diskurse sowie Ansätze der transrationalen Konflikttransformation gelegt werden.

Der Weg zu dieser Transformation soll durchaus politisch sein: Es geht darum, Frieden zu erfahren und über Bürgerinitiativen für eine verantwortungsvolle Gesellschaft zu erlernen, damit wir die Vielfalt wahren können und möglichst viele verschiedene Perspektiven erhalten.

Wir laden Sie damit herzlich ein und freuen uns über Teilnehmer/innen aus der Praxis, Forscher/innen und Aktivist/innen aus den Bereichen der Friedensarbeit, der internationalen Friedenserziehung, Konflikttransformation, Gemeindeentwicklung, weiters Künstler/innen und Personen aus dem Gesundheitswesen. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich an der einwöchigen Lerngemeinschaft beteiligten und an der Konferenz teilnähmen. Wir hoffen, pädagogischen Fachkräften mit dieser Konferenz neue Konzepte von Frieden und Friedenserziehung zu zeigen sowie Neues aus der Friedensforschung zu vermitteln. Zudem möchten wir Wissenschafter/innen, Künstler/innen und Praktiker/innen einen Rahmen bieten, indem interkulturelle Kommunikation und Zusammenarbeit Grundlage für vielfache Bildungsgemeinschaften werden.

Vier Aspekte stehen dabei im Vordergrund:

  1. Kreativität und Kunst
  2. gestaltendes Lernen und anschauliche Praxis
  3. transrationale Konflikttransformation
  4. moralisches und ethisch-politisches Denken

Diese vier Aspekte spiegeln die Kernarbeitsfelder der Organisator/innen wieder. Gemeinsam möchten wir die Beziehung der Aspekte zueinander erkunden, sie verknüpfen und zum Werkzeug für Veränderung der aktuellen, globalen wie lokalen Krisen machen. Unser Ziel ist es, eine fruchtbare Basis zu errichten, um gemeinsam und voneinander zu lernen, sowohl für uns selbst im Kleinen als auch in Anbetracht unserer Rollen als Friedensarbeiter/innen, Pädagog/innen, Aktivist/innen, Forscher/innen oder Künstler/innen.

Für Lehrer/innen und Gesundheitsfachleute wird der Körper – als Kanal, als Möglichkeit – im Sinne der Carthesianischen Trennung von Körper und Geis beim Lernen häufig vernachlässigt. Wir drehen dies um und betonen die Verbindung von Körper und Geist, um zu erforschen, wie der Körper fühlt, versteht und wie er beim transformativen Lernen reflektiert und agiert. Die Betonung liegt diesbezüglich auf alternativen und elicitiven Lernformen, wie es Forscher/innen, Fachleute und Künstler/innen, die an der IIPE teilnehmen, praktizieren, etwa Atemübungen, Meditation, Qi Gong, Yoga, Theater der Unterdrückten sowie Körperarbeit. All das, um den Körper im Sinne der„Critical Action“ für sozialen und politischen Wandel einzubeziehen. Im elicitiven Sinne werden die Fachleute als Facilitators verstanden, die sich darum bemühen, etwas entstehen zu lassen und einen Raum zu halten, in der sich die Transformation entfalten kann. Das ist insbesondere in Hinblick auf die aktuellen Themen Migration und Mobilität wichtig, da Lehrende oft Teilnehmer/innen haben, die kürzlich Krieg und Trauma ausgesetzt waren.

Für Wissenschafter/innen nehmen die gestaltenden Forschungsmethoden den oder die forschende Person als ganzheitliches und subjektives Wesen wahr, um jener kulturellen und strukturellen Gewalt, die in der Idee verankert ist, dass der Forscher von einem „entkörperlichten“ Geist aus agiert, etwas entgegenzusetzen. Weiters soll anerkannt werden, dass Forschungsteilnehmer/innen sehr wohl einen Körper haben, einem Geschlecht angehören, einer Ethnie, „Klasse“, und auch Kriegstraumata haben. Friedensforscher/innen kommen ihnen mit ihrer Beschäftigung rund um Biographie, Gefühle und mit subjektiven Erwartungen entgegen. Teilnehmer/innen der IIPE können im Zuge dessen alternative Forschungsmodalitäten testen, etwa die Auto-Ethnographie, Photographie, darstellende Kunst und andere auf Kunst basierende Methoden. Diese basieren auf horizontalen Beziehungen zueinander und involvieren die Forschenden sowie die Teilnehmenden in einem gemeinsamen Schaffensprozess.

Gegenseitigkeit. Forscher/innen und Teilnehmer/innen verstehen Forschung in diesem Rahmen als Widerstandsform und als sozialen Aktivismus, um die Hegemonie darüber, wie Wissen zu entstehen hat, zu brechen. Zu diesem postmodernen Tun gesellen sich transrationale Forschungsmethoden, in denen die Forschenden selbst als Quelle im Forschungsprozess betrachtet werden. Der oder die Forscher/in ist so gesehen nicht mehr „Ort“ der Voreingenommenheit oder selbst Bezugspunkt für Klasse, Ethnie oder Gender, sondern in humanistischer Weise eine kreative und körperliche Quelle des holistischen Wissens.

Für Aktivist/innen bietet die IIPE-Gemeinschaft die Möglichkeit zu reflektieren und sich in alternativen Methoden, wie dem Theater der Unterdrückten/Theater zum Leben und dem moralischen/ethisch-politischen Denken zu erproben; all das als Mittel für den Austausch mit ähnlich gesinnten Friedensarbeiter/innen aus der ganzen Welt. Durch energetische, aktive Körperarbeit und kritische Reflektion können neue Einsichten und Denkstrukturen die Herausforderungen auch größerer Zusammenhänge, wie insbesondere der Europäischen Union erhellen. Die IIPE wird Aktivist/innen dazu mit Dialog und einer experimentellen Lerngemeinschaft ausstatten, um in Richtung Transformation der Konflikte zu arbeiten.

Kunst fördert die subjektive Wahrnehmung, um Wirklichkeiten in ganz anderer Weise zu sehen und um authentisch zu agieren. Kunst gibt den Teilnehmer/innen die Möglichkeit, über sich selbst in Beziehung zu anderen nachzudenken, um nicht nur zu agieren, sondern selbst ganz zu sein. Kunst erweitert unsere Wahrnehmungsfähigkeit, ganz bei uns zu sein, bei den „anderen“ und in der Welt. Daher hat Kunst einen wesentlichen ethischen Wert, indem sie ein Mittel für die Entwicklung der moralischen Vorstellungen, Aufmerksamkeit und Klarheit im Sehen wie im Fühlen schafft. Im Angesichte einer konfliktiven globalisierten Welt ist die Reflektion der Kunst im politischen Engagement von wesentlicher Bedeutung.

Insgesamt wird die IIPE-Konferenz Innsbruck 2017 als Treffen unterschiedlichster in der Ausbildung tätiger Menschen die theoretischen, experimentellen und methodologischen Beiträge wie ein Netz zusammenfügen,

  1. um zwischen erzieherischem Denken und praktischem Handeln die Einsatzmöglichkeiten von Friedenstheorie und friedenserziehender Praxis zu beleuchten;
  2. um die Schnittmenge zwischen ästhetischem Frieden, ganzheitlichem Lernen, Kunst & Körper sowie ethisch-politischer Arbeit in der Praxis zu testen;
  3. um das Verständnis zwischen den Kulturen zu erforschen und erleben;
  4. um die Möglichkeiten praktischer Schritte der Friedenserziehung in Hinblick auf die globalen Krisen auszuwerten;
  5. und um den Fokus lieber darauf zu lenken, zu lernen, wie man denkt, als zu lernen, was man denken – indem man sich mit den verschiedenen Formen und Methoden der Friedenserziehung beschäftigt.

Besonderes Highlight: Wir werden im Zuge der IIPE-Konferenz einen Exkursionstag in der„Native Spirit“ Natur-, Wildnis- und Lebensschule am Inn in Tirol verbringen. Dort gibt es die Möglichkeit, im Rahmen unserer diesjährigen Thematik lokale und alte Traditionen der Friedenserziehung kennenzulernen und direkt zu erleben. Die Native Spirit-Schule hat sich darauf spezialisiert, Natur und Spiritualität zum integralen Bestandteil ihrer Seminare zu machen. Sie bieten Kurse und Seminare für verschiedenste Gruppen an, von Kleinkindern, über Jugendliche bis hin zu Fortbildungen für Erwachsene. Die Themen reichen vom Erleben und Erspüren der Natur, über „Outdoor und Survival“ bis hin zum Schamanismus. Diese Seminare bei Native Spirit sind zudem ein wichtiger Bestandteil des MA Programms in Friedens- und Konflikttransformation an der Universität Innsbruck. Dort lernen Studierende aus der ganzen Welt, den Ansatz der Transrationalen Frieden an sich selbst zu erfahren und zu erspüren.

Während unseres Aufenthalts bei Native Spirit können die Teilnehmer/innen der IIPE in und mit der Natur einige Überlebenstechniken erlernen, meditieren und sich mit Schamanismus auseinandersetzen. An diesem Exkursionstag stehen Selbsterfahrung und Selbstreflexion als wichtigster Bestandteil der Friedenserziehung im Vordergrund.


Bewerben Sie sich!

Die IIPE lädt Erzieher/innen, Studierende, Praktiker/innen, Forscher/innen und Aktivist/innen aus den Bereichen Friedensforschung, internationale Ausbildung, Konflikttransformation, Gemeindeentwicklung sowie Künstler/innen, im Gesundheitswesen Tätige, Theolog/innen und alle an Friedenserziehung Interessierten ein, an der einwöchigen Lerngemeinschaft teilzunehmen.

Wir laden potenzielle Teilnehmende ein, eigene Interessen und mögliche Programmbeiträge (pädagogische Workshops, Seminare, Plenarsitzungen), die relevant für die Themen der IIPE 2017 sind, vorzuschlagen.

Bitte beachten Sie: Die IIPE erhält durchschnittlich 200 Anmeldungen für 60 verfügbaren Plätze. Anmeldeschluss ist am 15. Mai 2017. Bis Ende Mai/Anfang Juni werden die Bewerbungen gesichtet. Wenn Sie Interesse an einem Stipendium haben, achten Sie darauf, dieses bitte frühzeitig und mit der Bewerbung zu beantragen. Es stehen begrenzte Fördermöglichkeiten stehen zur Verfügung. Bitte besuchen Sie die Online-Anmeldung für weitere Informationen.

link 32 Apply


Teilnahmegebühren

Die ungefähre Teilnahmegebühr beträgt 700 Euro. Die Gebühr deckt Unterricht, Lebensmittel, Unterkunft (Doppelbelegung; Einzelzimmer stehen gegen einen Aufpreis zur Verfügung) und Ausflüge ab. Die Gebühren werden nach der Aufnahme ins IIPE-Programm verrechnet. Alle Gebühren sind im Vorfeld der IIPE einzuzahlen.


Über die IIPE

Die IIPE existiert seit der Eröffnung des Teachers College der Columbia University im Jahr 1982. Alle zwei Jahre treffen sich Pädagog/innen, Akademiker/innen, Praktiker/innen und Aktivist/innen aus der ganzen Welt. Eine Woche lang leben und lachen sie miteinander und tauschen Wissen und Erfahrungen aus. Die IIPE wird alle zwei Jahre an verschiedenen Universitäten und Friedenszentren weltweit veranstaltet.

Die IIPE verkörpert die Praktiken und Prinzipien der kritischen, partizipativen Friedenspädagogik. Die IIPE-Pädagogik ist „kritisch“ im Sinne der Tradition der bekannten brasilianischen Pädagogen Paulo Freire und Betty Reardon. „Partizipativ“ ist ebenfalls ein Schlüsselwort für die Konferenz. Im Gegensatz zu traditionellen akademischen Veranstaltungen oder Konferenzen sind die Teilnehmer/innen hier im wahrsten Sinne Teil-Nehmer/innen, die sich gleichermaßen einbringen. In diesem geschützten Raum sollen alle die Möglichkeit haben, mit und voneinander zu lernen. Es gibt keine „drop-in“-Expert/innen, sondern alle werden am Lernprozess beteiligt, arbeiten kooperativ, modellieren und (er)leben. Diese demokratischen Prozesse und transformierenden pädagogischen Ansätze werden als wesentlicher Beitrag zur Bewältigung gemeinsamer Probleme, Gewalt und Ungerechtigkeiten gesehen.

Die Entwicklung des IIPE-Programms ist in sich selbst ein co-kreativer, gemeinschaftsbildender Prozess. Jede/r soll sich eingeladen fühlen, in irgendeiner Weise zum Programm beizutragen. Dies kann entweder ein Workshop, ein Vortrag oder ein Seminar sein. Man kann sich auch als Vermittler/in oder Moderator/in einbringen oder durch andere Aspekte Erfahrungen und Wissen teilen.

Die Teilnehmer/innen werden eingeladen, gemeinsam mit dem Organisationsteam und auf Basis ihrer Bewerbung in einen Austausch darüber zu gehen, in welcher Form sie sich gerne an der Konferenz beteiligen möchten. Wie erwähnt kann dies sehr unterschiedlich aussehen, je nach Erfahrung, Anwendungsfeld und Motivation der teilnehmenden Personen. Ziel ist es, ein einzigartiges holistisches Programm zu entwickeln, das die Vielfalt der Teilnehmer/innen wiederspiegelt.


Erhofftes Ziel

Durch die Lerngemeinschaft bei der IIPE entstehen die Möglichkeiten gemeinsamer Aktionen, Forschungen oder pädagogischer Entwicklungen. Die Konferenz möchte die Plattform schaffen, dies zu ermöglichen und auch in den folgenden Konferenzen aufrecht zu halten und auszubauen.

Alle Teilnehmer/innen können im Anschluss an die Konferenz zu einer Sonderausgabe von „In Factis Pax“ beitragen. Dies ist ein Online-Journal für Frieden und soziale Gerechtigkeit an der Universität von Toledo. Die Teilnehmenden sind eingeladen, sich bereits vorab ein Thema der theoretischen oder praktischen Anwendung von Friedenserziehung auszusuchen, das sie während der Konferenz vertiefen möchten, um anschließend darüber zu berichten. „In Factis Pax“ steht Pädagog/innen und Vertreter/innen des Community Change aus der ganzen Welt frei zur Verfügung.


More Information

link 32 Apply link 32 Information for Participants IIPE 2017 Print Flyer


Partners and Sponsors

Facebook
Facebook
Google+
http://www.i-i-p-e.org/iipe-2017-deutsch/